Kondolenz

Kondulenzbuch

 
 
 
 
 
 
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66 Einträge
Susanne Susanne aus München schrieb am Oktober 9, 2020 um 3:08 pm:
2002 sagte mein Wiener Friseur Jonny zu mir: "so geht das nicht weiter - bitte vertrau mir und geh' zum Gerhard Meir". 3 Jahre war ich bis dahin nach einem Fehlversuch in München jedes mal nach Wien gependelt, um zum Friseur zu gehen - und manchmal viel zu spät, weil ich es nicht im Kalender untergebracht hatte. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Gedanken nach betreten des Salons: welch ein Treiben - das soll ein Friseursalon sein? Es wurde mein Friseur - und ich war ab diesem Moment nie wieder zu spät beim Friseur und plante meine Termine stets für das ganze Jahr im voraus. Als ich 2004 nach Nürnberg zog, fuhr ich natürlich weiter an den Promenadeplatz. Viele Jahre bis Gerhard mir einen Friseur in Stein empfahl und ich nicht mehr so treu nach München kam. Dann zogen wir 2012 nach Den Haag und ich vermied es Friseurbesuche in Den Haag wahrzunehmen und versuchte sie - soweit das beruflich möglich war - zwischen Wien, Stein und München auszupendeln. Als wir 2018 zurück nach München zogen, konnte ich einfach in den Salon in der Ludwigstrasse spazieren und wusste, dass ich keine Kopfschmerzen haben müsste. Seinen Friseur wechselt man halt nicht mal eben so. Auch meine Tochter, die ich als Baby noch zu meinen Terminen mit an den Promenadeplatz, in die wohl koordinierte und fein, aber bestimmt, dirigierte bunte Fülle des Lebens mitgenommen hatte, hatte nun endlich mit 17 Jahren den richtigen Friseur gefunden. Mit Bestürzung habe ich von Gerhard Meirs Tod gelesen - wir waren doch gerade erst noch dort gewesen und alles war wie immer gewesen. Gerhards letzen Restauranttip habe ich noch gar nicht ausprobiert. Wenn ich es tue, werde ich an die vielen Besuche in den Salons denken. Inspiration und Motivation war es mir stets für mein eigenes Leben, dass Gerhard Meir getrieben war, seine Träume und sein Leben zu leben: nach seiner eigenen Art - und bei aller Komplexität dieses Unterfangens so erfrischend, zugänglich und einfach so sympatisch war. WAR - denn leider ist er aus dieser Welt viel zu früh geschieden. Die Engel brauchen sich nun nicht mehr zu sorgen, denn einer der Besten für alle haarigen Angelegenheiten, ist an ihrer Seite. Wir werden dich nicht vergessen. Ruhe in Frieden!
Peter Dausmann Peter Dausmann aus München schrieb am Oktober 5, 2020 um 8:56 am:
Es gibt Tage, die werden als Erinnerung geboren. Lieber Gerhard, ich stehe vor Ihnen, um mich dankend und im Gedenken vor Ihnen zu verneigen. Als ich mit 19 Jahren bei Ihnen 1979 als Mitarbeiter anfing, hatte ich noch vor so vielem Angst. Sie brachten mir so viele Dinge bei. Sie machten mich mutig und unglaublich glücklich. Wie ein Gemälde das entsteht und mein Dasein beschreibt, waren Sie ein Teil dieses Prozesses und sich im miteinander erklärt. Vielen Dank für 12 Jahre, in denen ich mich in Ihrem Hause als Mitarbeiter und persönlich entwickeln konnte. So etwas wie ein Ende gibt es nicht. Nur einen Punkt an dem man eine Geschichte verlässt. Jetzt ist es Ihre Geschichte. Bitte erlauben Sie mir den kleinen Oscar, aus dem gleichnamigen Buch mit der Dame in Rosa, zu zitieren. An einer Stelle erwähnt er, …nur der liebe Gott dürfe Ihn aufwecken. Lieber Gerhard, ich bin der festen Überzeugung, Sie sind in IHM erwacht. Peter Dausmann
Birgit Geise Birgit Geise aus München schrieb am Oktober 3, 2020 um 6:12 pm:
Lieber Gerhard Meir, ich war sehr betroffen, als von Ihrem plötzlichen Tod in den Medien erfahren habe. Ich möchte zunächst der Familie und den Mitarbeitern des Salons mein aufrichtiges und herzliches Beileid aussprechen. Ich habe Sie nicht sehr lange gekannt und ich war auch keine Stammkundin von Ihnen, aber immer wenn ich in nach meiner Pause über den Hof am Salon vorbei ging und Sie draußen an Ihrem kleinen Tisch saßen, haben wir oft einen kleinen netten Smalltalk gehalten und Sie waren immer sehr nett und hatten eine lustige Art. Montags, saßen Sie oft ganz alleine draußen an einem Tisch vom Café gegenüber, nachdem Sie sich vorher um die Termine in Ihrem Salon gekümmert hatten und sich danach eine Pause bei einem Glaserl Wein gönnten. Lieber Gerhard Meir, machen Sie es gut auf Ihrer letzten großen Reise und ruhen Sie in Frieden! R.I.P. Herzlichst Birgit Geise
Birgit Geise Birgit Geise aus München schrieb am Oktober 3, 2020 um 5:13 pm:
Lieber Gerhard Meir, ich war sehr betroffen, als von Ihrem plötzlichenTod in den Medien erfahren habe. Ich möchte zunächst der Familie und den Mitarbeitern des Salons mein aufrichtiges und herzliches Beileid aussprechen. Ich habe Sie nicht sehr lange gekannt und ich war auch keine Stammkundin von Ihnen, aber immer wenn ich in nach meiner Pause über den Hof am Salon vorbei ging und Sie draußen an Ihrem kleinen Tisch saßen, haben wir oft einen kleinen netten Smalltalk gehalten und Sie waren immer sehr nett und hatten eine lustige Art. Montags, saßen Sie oft ganz alleine draußen an einem Tisch vom Café gegenüber, nachdem Sie sich vorher um die Termine in Ihrem Salon gekümmert hatten und sich danach eine Pause bei einem Glaserl Wein gönnten. Lieber Gerhard Meir, machen Sie es gut auf Ihrer letzten großen Reise und ruhen Sie in Frieden. R.I.P. Herzlichst Birgit Geise
Christine Ostermeyer Christine Ostermeyer aus München schrieb am Oktober 2, 2020 um 9:17 am:
Lieber Gerhard, wie unfaßbar traurig-mit Dir geht ein Teil Münchens, der Mythos der wilden 80ziger Jahre hätte ohne Dich nicht existiert!! 1000 Dank für Dein Charisma, das die Menschen so glücklich machte, sowie für Deine Kreativität, verbunden mit der unglaublichen Kunst, nicht nur über Jahrzehnte die wunderbarsten Frisuren zu zaubern, sondern auch einen Beauty Life Style zu komponieren, der uns hoffentlich weiterhin in Deinem Salon erhalten bleibt!! Und nun etwas Persönliches: Danke für die humorvolle Geduld mit meiner sehr strengen Oma, die nicht nur mit einem hohen Alter, sondern auch mit hohen Ansprüchen gesegnet war und Mitte der 80ziger Jahre in Deinem legendären Salon am Odeonsplatz darauf bestand, daß in ihren Anwesenheit die Körpermitte des steinernen Faun mit einem Handtuch "bedeckt" wurde...;-) Vielleicht trefft Ihr Euch ja jetzt wieder auf einem Wölkchen und Du machst ihr die Lockerln! Wünschen tät ich's mir...Mach's gut, lieber Gerhard!!!
Sinning Sinning aus Schweiz schrieb am September 30, 2020 um 2:04 pm:
Ich bin zutiefst erschüttert, dass er nicht mehr in dieser Welt ist. Irgendwann würde es soweit sein, dass man ohne seinen Schnitt und seine sonnige, liebenswürdige, schwungvolle Art auskommen müsste, und sei es, weil er – fast nicht auszudenken – seinem Leben eine andere Wendung geben würde. Aber doch nicht so und nicht jetzt! Gerhard, was machst Du für Sachen! Dass man sich unterhält und völlig ohne Hinweise für den Schnitt vertraut, wo kann es das geben? Er schubste und drehte und schnitt, dass es eine Gaudi war, und er sagte am Ende immer: "Schaut super aus!" Und das tat es auch. Bei unserer letzten Abschiedsumarmung fragte ich ihn noch, ob er jemanden habe, der sicher gut auf ihn aufpasst. Er hat es bejaht. Mir fehlt er jetzt schon! Ein Besuch in seinem wunderbaren Salon hat immer glücklich gemacht. Hoffentlich, hoffentlich besteht sein Werk weiter, für sein Andenken, für seine tollen, langjährigen Mitarbeiter und für seine Kundinnen! Sein Lachen bleibt immer in meinem Herzen – lieber Gerhard, danke, dass ich Dich so schätzen lernen durfte!
Andrea Andrea aus München schrieb am September 27, 2020 um 2:37 pm:
Lieber Gerhard, eine meiner liebsten Erinnerungen ist ein etwas ruhigerer Tag bei Dir im Salon, an dem Du mir während des Haareschneidens von früher erzählt hast. Deine Vision, Dein Ehrgeiz, Dein Mut und was Du damit geschaffen hast! CHAPEAU! Ich bin dankbar, lieber Gerhard, dass ich Dich ein paar Jahre kennen durfte, Du mit mir meinen 50. gefeiert hast und, meine Haare das Privileg hatten von Dir verzaubert zu werden. Du fehlst! Ich wünsche Dir, dass Du da, wo Du jetzt bist Erfüllung findest.
Matthias Seyfang Matthias Seyfang aus Schweiz schrieb am September 27, 2020 um 1:16 pm:
Lieber Gerhard Jedes Mal, wenn wir zu Dir kamen freuten wir uns schon im Vorfeld. Bei Dir im Salon bekam man ja nicht nur einen tollen und perfekten Haircut, vielmehr kam man immer um sich mit Dir über so viele kulturelle, persönliche oder gesellschaftliche Dinge auszutauschen. Du bereichertest immer mit deiner klugen und herzlichen Art und deinem so kultivierten Wissen. Wir vermissen dich sehr! Herzlichst Deine Rosemarie & Matthias
Christa Christa aus München schrieb am September 26, 2020 um 11:41 am:
Lieber Gerhard, treuer Freund! Wen lässt man schon so nahe an sich heran, wie seinen Friseur. Über viele Jahre hast Du die Geschicke meiner großen Familie begleitet, Hochzeitsfrisuren gezaubert, warst unser Gast bei Geburtstagsfeiern. Lass Dir danken für Deine Treue, Deine Einfühlsamkeit, Dein Mitfühlen. Du bleibst in den Herzen Vieler, wir kannten Dich und wir liebten Dich. Sei in Gedanken umarmt, Du fehlst.
Blasius Kubanek Blasius Kubanek aus Landshut schrieb am September 23, 2020 um 8:33 pm:
Lieber Gerhard, es trifft mich unglaublich hart, dass du nicht mehr unter uns weilst. Du warst ein unglaublicher Mensch voller Kraft, Inspiration, Kreativität und Tatendrang. Ich bin Dir unendlich dankbar für die gemeinsame Zeit, in der ich an Deiner Seite habe arbeiten dürfen - es war nicht immer leicht, aber Du hast mich immer angetrieben und mich zum großen Teil dazu gemacht, was ich bin und wo ich heute stehe. Die 9 Jahre an Deiner Seite waren für mich eine tolle und unvergessliche Zeit, die mich vieles gelehrt und vor allem geprägt hat. Du hast von Deinen Mitarbeitern viel gefordert und ein Vielfaches zurück gegeben - dafür ein ganz großes DANKE! Ein wahrer Maestro. Ruhe in Frieden.
Tina Balzer Tina Balzer schrieb am September 23, 2020 um 1:40 pm:
Lieber Gerhard, schon zeigt sich wie sehr Sie fehlen und wie gerne ich wieder mich in Ihre Hände begeben würde. Sie würden sagen, so brauchst Du nicht rumlaufen. Ruf an, ich hab immer einen Termin für Dich. Würde ich sehr gerne und sofort! Lieber Gerhard, Du fehlst und wirst sehr vermisst. Nicht nur Deine Kreativität und Dein unglaublich sicherer Umgang mit der Schere, nein, Du wie ich Dich erleben durfte und wie Du mir präsent bist, immer sein wirst. Nur bist Du halt einfach gegangen und lässt uns alle, die wir um Dich trauern, ratlos zurück. Ich hoffe es geht Dir gut, wo immer Du jetzt bist. Ich denke gerne an Dich und die Jahre die wir uns gekannt haben. Ruhe in Frieden lieber Gerhard
Marion Werner Marion Werner aus 82031 Grünwald schrieb am September 22, 2020 um 3:45 pm:
Gerhard Meir war Wegweiser seiner Handwerkskunst. Ein facettenreicher, inspirierender Mensch, den ich sehr vermissen werde. Sein Licht wird uns weiterhin begleiten. Ruhe in Frieden Marion Werner
Carolin Carolin aus Hamburg schrieb am September 20, 2020 um 10:58 pm:
Lieber Gerhard, es stimmt mich unfassbar traurig, dass Du nicht mehr hier bist. Aber bestimmt sitzt Du schon auf Deiner Wolke und machst den Putten Strähnen in die Haare und föhnst ihnen endliche ne frische Frisur. Ruhe bloß nicht in Frieden, misch den Laden da oben anständig auf, wie Du es hier unten gemacht hast. Danke das ich Dich kennen lernen durfte.
Ui Ui schrieb am September 20, 2020 um 4:40 pm:
Lieber Herr Meir, Ihr Tod trifft mich tief. Sie waren eine Ikone! Möge es Ihnen dort, wo Sie jetzt sind, gutgehen.
Richard Gaul Richard Gaul aus Werder (Havel) schrieb am September 19, 2020 um 11:32 am:
Gerhard Meir: Der mit den Scherenhänden Premiere in Hamburg – oder: Wie man als Friseur zur Medienfigur wird Von Sibylle Zehle 7. Juni 1991, 9:00 Uhr Aus der ZEIT Nr. 24/1991 Von Sibylle Zehle Wenn nächste Woche am Hamburger Alsterufer die schleswig-holsteinischen und die bayerischen Prinzessinnen aufeinandertreffen, dazu alle Hochglanz-Damen, die sich sonst entschieden aus dem Wege gehen (Elle, Marie Claire, Vogue), dann gibt’s dafür nur einen einzigen Grund: einen Friseur. Gerhard Meir, regional "der Gerhard", überregional "Glorias Coiffeur", eröffnet eine Dependance seines Münchner Salons "Le Coup" im Hamburger Hotel "Atlantic". Noch Anfang der Siebziger wäre das der Fachzeitung Kamm und Schere wohl nur eine schnittige Nachricht wert gewesen. Aber zu Zeiten, in denen sich sogar Journalisten gegenseitig zur Prominenz erklären, werden auch Geschäftseröffnungen als gesellschaftliche Ereignisse gehandelt; und sind Köche, Schneider und Friseure dem Personal der Klatschspalten so lange zu Diensten, bis sie selber das Format für eine Dreißigzeilen-Meldung haben. Meir ist darin Meister. Presseartikel über ihn füllen schon sieben dicke Aktenordner. Erste Schlagzeilen wie "Schön durch Fön" (1978); gefolgt von: "Nur der Fürstin dürfen die Haare zu Berge stehen" oder "Keine Feier ohne Meir" (1988). Der innerste Kreis erreicht aber war erst bei Titeln wie: "Neuer Turm für Gloria. Abs rief: Das ist ja toll!" (1989) und "Michael Graeter präsentiert: Der Dompteur der neuen deutschen Gesellschaft: ein Friseur" (1990). Dabei trifft Meirs Münchner Laden sensible Gemüter zunächst wie ein Schock. Ein einziger offener Raum von ausgefeiltem Design, aber mit dem Geräuschpegel eines Hallenbads. Der Meister (der nie seinen Meister gemacht hat) schätzt kreatives Durcheinander. Angestellte bringt er mit einem unvermittelten "Zack! Zack!" auf Trab. Längst ist der Salon Zentrum für Klatsch und Kommunikation. Und dies keinesfalls nur für die bayerische Sektion, berücksichtigt man allein den Donnerstags-Bomber aus Düsseldorf, der wöchentlich einen Satz gebräunt-gesträhnt-getrimmter Gemahlsgattinnen zum Fönen einfliegt. So viele echte Kelly-Bags, Cartier-Tiger und Hermes-Schals wie hier sieht man sonst nirgends zwischen Waschbecken. Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl, der gern bei Meir reinguckt, fühlt sich dort gar "wie in einer gemischten Sauna". Meir ist jedoch kein abgebürsteter american gigolo wie einst Warren Beatty in dem Hollywood-Film "Shampoo". Inmitten des Gewühls bleibt er der große Naive, voll unbeschwerten Vergnügens an der Umwelt eitlem Treiben. Er tratscht und tanzt mit, scheint sich dabei jedoch einen Rest von staunender Unschuld zu bewahren. Friseur und Zahnarzt sind Quasselberufe, wobei man bei ersterem wenigstens die Chance hat, Widerworte zu geben. Bei Gerhard nur im Prinzip. Der redet, sprudelt, schnippelt, schäumt, mitunter fast atemlos von der eigenen Lebenskraft. "Warum war Sartre bei den Frauen so beliebt?" wurde seine Biographin Anne Cohen-Solal einmal gefragt, und sie antwortete: "Weil er den Frauen sagte, wer sie sind." Der Friseur schaut statt ins Herz auf die Haare. Aber nicht nur. "Ich spüre, wenn Frauen neugierig auf eine Verwandlung sind. Dann, zack, schlage ich zu!" Soviel Getriebe wie in München mutet Meir den Hamburgern nicht zu. Der Laden ist hanseatischer als das "Atlantic" selbst. Der Münchner Architekt Viktor Gwiazda inszenierte großzügig und kühl: Treppe für den großen Auftritt, Marmor in Grau und als Blickfang nichts als eine altrosa Säule, ein Phallussymbol von beeindruckenden Ausmaßen. Der mit den Scherenhänden – Seite 2 Stars frisieren, Schauen inszenieren, Presse- und PR-Damen charmieren, das schafft natürlich allein kein Mensch. Meir fand einen Partner, der ihm erst den Silberhimmel über München, später die Architektur Klenzes erklärte: Sigi Jortzik, einst Schwabinger Lebenskünstler und heute Gerhards geschäftliches Rückgrat (zur weiteren privaten Verfeinerung trägt inzwischen der Designer Reimer Claussen bei). "Wie ein kalifornischer Beachboy sah der Gerhard aus", erinnert sich Jortzig an die erste Begegnung. Dabei war Meir ein Ur-Bayer, geboren irgendwo in der fränkischen Pampa, als zweiter von vier Buben. Die Eltern starben früh, schon mit achtzehn war Gerhard auf sich allein gestellt. Zwei Brüder haben den väterlichen Betrieb übernommen: "Sanitär Meir". Gerhard aber war von Anfang an der geborene Friseur. Sofort nach der Mittleren Reife wollte er zu Werner Blöchl in die Leopoldstraße, lange Zeit seiner Mutter Coiffeur, ein bienenfleißiger Figaro der alten Schule. Blöchl steckte Meir in eine weiße Kellnerjacke ("Ich war damals sechzehn Jahre, g’sund, rote Backen, a richtiger Brummer") und sagte: "Um sieben fang’ m’r an." Die Welt des Luxus und des schönen Scheins kannte der Lehrling freilich damals schon. Eine Freundin der Familie, Porzellan-Großhandel, da lebt man ja auf anderem Fuß, hatte einen Narren an Gerhard gefressen, verpaßte ihm einen blauen Nadelstreifenanzug und nahm ihn mit dem gleichaltrigen Sohn auf Reisen: "Marbella Club" an der Costa del Sol, "Suvretta Haus" in St. Moritz, das "Splendido" in Portofino. – Kommt daher seine schlafwandlerische Sicherheit? – "Nee, die Power hatt’ ich immer schon." – Eine positive Sicht der Dinge ist ihm von Kindheit an zu eigen. Kein Wunder, wenn man weiß, daß er als Dreijähriger von einem Zug überrollt wurde, aber zwischen den Gleisen mit einer Gehirnerschütterung überlebte. Noch heute fühlt er sich wie von einem Schutzengel begleitet, von einer guten Hand "geführt". München war in den Siebzigern jung, aufgeregt, hungrig nach Society. Meir arbeitete ein Jahr lang bei Mara Cromer (goldene Palmen, Korkfasertapete, Alligatorenbecken mittendrin), wo er den Löwenanteil seiner späteren Kundschaft traf. Am meisten gepuscht hat ihn freilich eine Journalistin. Elisabeth Bär, Mutter der freundin, läßt ihn die ersten Titel frisieren. "Die hat mich gefordert, kritisiert, sogar angebrüllt: Hör mal, wenn aus dir was werden soll..." – "Er war neugierig, lebhaft, schnell und sprach nicht so ’n Friseurdeutsch, er hätte ’n Kollege sein können – ich glaub’, das war’s." Zur Medienfigur aber wurde Gerhard von Graeter gemacht, einst Gesellschaftsschreiber der Münchner Abendzeitung. Zwischen all den alten Lokalmatadoren war dieser junge Mensch Meir natürlich eine Trouvaille, ein goldlockiger Charmebolzen. Als "Sunnyboy unter den Figaros" rutscht Gerhard 1978 anläßlich der ersten Geschäftseröffnung in Graeters Leute-Spalte, da war er gerade 23. Fortan ist er Graeters Baby geblieben. Warum gerade Meir? – "Nun, das ist ja doch immer auch so eine Art Pingpong", erinnert Graeter, der mittlerweile ebenso auf- wie abgeklärt sein Klatschwerk verrichtet: "Und nachrichtlich war ja auch immer was drin... Der war ja nicht gerade faul, der Bursch ... Das mit der Gloria zum Beispiel war doch eine Spitzenleistung." Fürstin und Friseur. Am Anfang waren sie wie zwei Kinder, die sich in einer ziemlich verrückten Welt ein bißchen größer machen wollten – jeder auf seine Weise; Gloria mit Mut, Gerhard mit Gel. "Pfeilgrad kamen wir aufeinander zu", erzählt Gerhard. "Jeder brauchte den anderen." Erster Coup war in Salzburg, als Glorias Schwester heiratete. "Die Maja hatt’ ich grad noch geschnitten, mein Hochzeitsgeschenk, da sagt die Gloria zu mir, in diesem spießigen Friseurladen vom .Goldenen Hirsch’: ‚Du, Gerhard, jetzt machst mir eine ausgeflippte Nummer." – Das gelang. "Mäuschen, das ist wahnsinnig", sagte Ihre Durchlaucht. Und der fürstliche Gatte gab zu Protokoll: "Würde man meine Frau umdrehen, könnte man mit ihr den Hof der Residenz fegen." Fortan galt Gerhard als Hoffriseur, die Fürstin als verrücktes Huhn. Eine Marketing-Idee, die man besser nicht hätte erfinden können, meint Sigi Jortzig zurückblickend. Manchmal beliebte die Fürstin mit dem Motorrad direkt in den Salon zu fahren; oder sich mit Verve zu Füßen des Meisters zu werfen – Gerhard, du bist der Größte! – mitten im Salon, nur aus Schau. "Solche vitalen Auftritte braucht man als Friseur", meint Jortzig bedächtig. "Nur das München drehen, das konnte es ja nie sein." Schon vor dem Tod des Fürsten hatte das Haare-Raufen ein natürliches Ende genommen. Meirs Höhenflug heißt jetzt Hamburg. Wie der 36jährige es schaffen will, seine Energie zwischen Nord und Süd zu teilen, Figaro hier, Figaro dort, bleibt dabei ziemlich schleierhaft. Aber die Gefahr, daß die Liebe der Damen – wie in der Film-Fabel "Edward mit den Scherenhänden" – in Eifersucht umschlägt, ist wohl gering. Gerhard wird wirbeln, wie der Humanoide Edward im Film, die von Menschenhand geschaffene Schneidemaschine, die Scheren statt Hände hat: drei Tage München, drei Tage Hamburg, schnipp, schnapp. Von einer feingewordenen Hamburger Friseuse weiß man, daß sie verletzt ist bis ins Herz, wenn die Dame der Gesellschaft bei feierlichen Anlässen am Falkenstein eben ins Nebenzimmer bittet: "Du, bloß noch mal kurz auftoupieren." Gerhard dagegen ist beleidigt, wenn er der Gastgeberin nicht an die Haare darf. – "Sie sind oft in Paris? Dann rufen Sie doch an, wenn Sie eine Karte brauchen", sagte Eva Wagner, Direktorin der Opera Bastille, neulich höflich, nachdem ihr Meir vorgestellt worden war. "Toll", freute sich der und strahlte die blondgelockte Urenkelin Richard Wagners mit der Unschuld eines Parsifals an: "Und ins Gepäck nehme ich dann meine kleine Schere. Und mach’ Ihnen einen Super-Schnitt!"
Tina Balzer Tina Balzer schrieb am September 19, 2020 um 8:56 am:
Lieber Gerhard, es ist sehr traurig Sie nicht mehr unter uns zu wissen. Nach 40 Jahren, die ich immer gerne und zufrieden Ihre Kundin war, ist jetzt eine große Lücke und Leere. Sie fehlen. Es hat sich in all den Jahren auch eine persönliche Nähe entwickelt, an die ich gerne zurückdenke. Es ist sehr schade, dass Sie uns so früh und so unerwartet verlassen haben. Mein Beileid gilt Ihren Brüdern und Ihrer Mannschaft!
Corinna Bassewitz Corinna Bassewitz aus München schrieb am September 19, 2020 um 8:19 am:
Immer wenn ich dich auf eine Zigarette besucht habe hast du gesagt: "Mei Spatzl, wie schaust du denn aus?" und hast mir die Haare geschnitten. Seit 35 Jahren, immer wieder. Und manchmal haben wir dann noch bei Schumann's einen Drink genommen. Ich vermisse dich!
Mike Mike aus Palma de Mallorca schrieb am September 18, 2020 um 3:16 pm:
Lieber Gerhard, es schmerzt mich sehr, dass Du nicht mehr unter uns bist und ich kann es noch gar nicht richtig glauben! Wann immer ich wusste, dass ich nach München komme, war es ganz selbstverständlich für mich bei Dir vorbei zu schauen. ...ob für einen Haarschnitt in Deinem Salon oder nur einen Kaffee mit Dir am kleinen Tisch vorm Salon. Meistens haben wir uns dann noch bei unserer gemeinsamen Freundin Petra im Hotel getroffen und dort köstlich gespeist und einen lustigen Abend verbracht. Seit über 20 Jahre kenne ich Dich und wir haben sehr viele lustige Abende verbracht und auch tiefsinnige Gespräche geführt, aber dass Du uns so früh verlasst, dass hätte ich mir nie gedacht! ...wo immer Du jetzt auch bist, wir vermissen Dich!!!! R.I.P. Lieber Gerhard!! Mike
Larissa Gropp Larissa Gropp aus München schrieb am September 18, 2020 um 11:06 am:
Lieber Gerhard, ich durfte zwei Jahre in Deinem wunderschönen Salon am Odeonsplatz arbeiten. Mich haben damals Deine Fröhlichkeit, Dein unbändiger Fleiß, Deine Kreativität und Herzlichkeit so fasziniert. Das war eine tolle Zeit und ich werde Sie nie vergessen. Ruhe in Frieden. Herzlichst Larissa
Alexandra Alexandra aus Schweinfurt schrieb am September 17, 2020 um 8:16 pm:
Wir sind immer noch fassungslos und zutiefst betroffen. Am Montag hatten wir noch lange miteinander telefoniert und gemeinsame Reisen und Unternehmungen geplant. Leider wurdest Du viel zu früh aus dem Leben gerissen. Du wirst immer in unserem Herzen ❤️bleiben! Danke für Deine Freundschaft. Wie vermissen Dich sehr!!! Ruhe in Frieden, lieber Gerhard!